Und übrigens. Roskilde Festival

Besser spät als nie. Dies wird eine Empfehlung.

Nachdem ich letztes Jahr alleine im Büro saß, weil ganz kopenhagen zum Roskilde-Festival ausgeflogen war, musste ich das dieses Jahr mal selber ausprobieren. Dazu gesellte sich freundlicherweise der O. Die leichte Skepsis gegenüber dieser Art Riesen-festival (so um die 100.000) schlug dann am Wochenende VOR dem eigentlichen Festival in ein “das ist jetzt schon irgendwie lächerlich” um, als ich stundenlang wie ein Huhn in der Legebatterie auf die Öffnung des Camping-Areals wartete:

Wohlgemerkt ein Schwertransport-Huhn, denn ich war für Transport, Platzierung und Aufbau von nicht weniger als fünf Zelten verantwortlich, die nach Einlass erst mal im Spurt über das Gelände zum erwählten Lager gebracht werden wollten. Das Lager !

Das Lager ist das wichtigste für den Dänen auf dem Festival, und auch wir hielten bald die Fahne für das unsrige hoch. Nach dem Aufbau der Zelte folgt erst mal eine Woche ohne richtiges Programm, statt dessen stehen Meet&Greet, Campingplatzparties und natürlich Sauf- und andere spiele auf der Tagesordnung. In unserem Lager standen diese Jahr z.B. Hintern-Ball und Realmenschen-Mensch-ärgere-dich-nicht auf dem Programm.

Im Laufe der woche füllt sich das ganze dann zunehmend, aber spätestens mit der Öffnung des eigentlichen geländes wird auch dem letzten Doof klar, dass hier etwas anders läuft als auf gängigen Festivals dieser Größenordnung. Denn etwa ein Viertel der Besucher hat gar kein Ticket bezahlt, sondern macht sich als freiwilliger Helfer verdient, z.B. im Crowd Management:

Ebenso wie muskelbepackte griesgrämige Securities sucht man Gastronomie-betriebe mit Abzockerpreisen oder nervige Werbung vergeblich. Die Organisation beschäftigt nämlich auch nur eine handvoll Mitarbeiter, der Rest wird von lokalen Vereinen und Organisationen gestemmt. Und zum Abschluss werden dann auch noch sämtliche Profite humanitären Zwecken gespendet.

Statt Kommerz bekommt man allerdings leckeres Essen, Sitzgelenheiten (“Nee, die haben überall witzige Bänke hingezimmert, damit kann man doch kein Geld verdienen!”) und anderes zum abhängen, Batterie-Aufladung gegen Geld oder Muskelkraft, Festivalradio, Kunstinstallationen, Badeseee, Angelsee, guten Kaffee, Kaffee bis ans Zelt gebracht, Wasserausgabe an allen Bühnen, erstaunlich entspannte Menschenmassen, Matsch, soviel man will, und sicherlich noch viel mehr, was ich übersehen habe.


zwischendurch 15minuten einfach mal an fremde schultern anlehnen

Zuletzt sei noch angemerkt, dass die Gesamtkosten für den O. aus Deutschland sich für eine Woche auf ca. 100EUR für an- und abreise mit dem Zug beliefen. Als freiwilliger Helfer arbeitete er dazu über die Woche verteilt 28(?) Stunden und erhielt im Gegenzug freien Zugang zum Festival und einem üppigen Frühstücksbuffet. Außerdem hat er eine Menge Tonaufzeichnungen angefertigt, von denen er einige hoffentlich bald veröffentlichen wird und die dann alsbald hier verlinket werden.


Sonntag Nachmittag vor der Hauptbühne